Dr. med. Tanja Sigl-Erkel

Fachärztin für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Faszien-Der Bodysuit unter der Haut

Faszien sind gerade stark im Fokus der Aufmerksamkeit: In der Physiotherapie, überhaupt in der Körpertherapie, im Yoga, im Qigong, TaiChi, Pilates. Sogar in der klassischen Orthopädie und im Sport.

Das größte Sinnesorgan im Körper

Was sind Faszien genau? Faszien sind das Organ, was alles mit allem verbindet, das den Körper zusammenhält und strukturiert, wie ein Bodysuit unter der Haut. Das größte Sinnesorgan im Körper. Vorzustellen als feine, zähe bindegewebige Häute, weiß, oft nur 1 mm dick, reißfest. Faszien halten eine Belastung bis zu 60 kg aus. Sie hüllen die Muskeln ein. Der Muskel wird sozusagen vom Bindewebe umarmt. Für einen gesunden Bewegungsablauf unerlässlich. Faszien schaffen den Balanceakt zwischen Stabilität und flexibler Geschmeidigkeit. Aber sie sind auch verantwortlich für die Abteilung der Lymphe und dadurch auch der Abbauprodukte unserer Zellen.

Verklebte Faszien – Ursache für viele Beschwerden

Die Faszienstruktur lässt sie wie folgt beschreiben: Wasser, Kollagen, Zucker-Eiweißverbindungen und verschiedene Klebstoffe. Sind sie verklebt, leidet die Geschmeidigkeit des Körpers. Oft tauchen undefinierbare Schmerzen, Nervenschmerzen und emotionale Erscheinungen auf. Kein Wunder, denn in den Faszien sitzen auch unsere Empfindungen. Alle Empfindungen, Erlebnisse, positive wie negative sind im Körper abgespeichert. Die Wissenschaft kennt ja den Begriff des Körpergedächtnisses. Auch in Therapieformen wie im NLP, dem neurolinguistischen Programmieren, macht man sich dieses Wissen bei den Techniken wie Ankern, Submodalitäten und Arbeit mit Bildern zunutze, um seelische Blockaden zu lösen. Auch in den langsamen Stretches beim Yoga, besonders im Yin Yoga, das von langsamen Dehnungen und dem Halten einer Position geprägt ist, holt man diese abgespeicherten Empfindungen aus dem Unbewussten an die Oberfläche und gibt’s so die Chance, die emotionalen Erlebnisse in der Stille und im Halten zu heilen.

Stress und Faszien-Erneuerung

Faszien sind mit zahlreichen Nervenenden ausgestattet und geben unentwegt Informationen an unser Gehirn weiter. So ist es leichter vorstellbar, dass emotionaler Stress die Beschaffenheit der Faszien beeinflusst. Stress macht unsere Atmung flach, den Brustkorb eng, die Muskeln verhärten und die Faszien verkleben. Auch chronischer Schlafmangel kann eine gesunde Faszien-Erneuerung verhindern. Experten gehen sogar so weit zu sagen, dass eine Heilung ohne ein intaktes Fasziennetzwerk gar nicht möglich ist.

Die zunehmende Bedeutung des Fasziennetzes wird letztendlich ein Umdenken im Rehabilitations- und Präventionstraining auslösen.“

Gesundes Bindegewebe:

  • Biegsam wie Bambus
  • Reißfest wie ein Zugseil
  • Ermöglicht federnde, leichte Bewegungen
  • Garantiert die Belastbarkeit von Sehnen und Bändern
  • Vermeidet schmerzhafte Reibereien in Hüftgelenken und Bandscheiben
  • Schützt die Muskulatur vor Verletzungen
  • Hält uns in Form, jugendlich und straff

Verfilztes, schwaches, verletztes

           Bindegewebe:

  • Alterssteifigkeit
  • Verklebungen
  • Verletzungsgefahr
  • Undefinierbare Schmerzen durch mikroskopisch kleine Risse, nicht nur im Bewegungsapparat, sondern auch z.B. Spannungskopfschmerz

                      Tipp:

  • Bewegen Sie sich regelmäßig mit langsamen Dehnungen, denn die bindegewebige Hülle der Muskeln verändert sich nur langsam aber dauerhaft
  • Fürs Training zuhause genügen schon 10 Minuten zwei-bis dreimal die Woche
  • Gönnen Sie sich Yoga, YinYoga, QiGong, TaiChi, Massagen, besonders Thai-Yoga-Massagen, osteopathische oder Rolfingbehandlungen

 

Dr.Robert Schleip, Direktor der Fascia Research Group, in der neurophysiologischen Abteilung der Universität Ulm, Forschungsdirektor der European Rolfing Association, promovierter Humanbiologe an der Univ. Ulm (Dr.biol.hum., summa cum laude), zertifizierter Rolfing Lehrer seit 1992 und Feldenkrais Lehrer seit 1987 sowie Diplompsychologe an der Uni Heidelberg und Heilpraktiker hat eine spezielle Therapie entwickelt, die „fascial fitness“ heißt. Ziel der Therapie: die Faszien sollen ihre ursprüngliche Geschmeidigkeit zurückgewinnen. Faszinierend, oder? Jetzt verstehen wir vielleicht auch, warum nicht nur bei Extrem- und Berufssportlern die Muskeln und die Faszien trainiert werden sollen. Schnellkraft und Muskelaufbau ist das eine, Geschmeidigkeit erreicht man über die Faszien – mit langsamen Dehnübungen.

Bereit für den Wintersport: Weniger Verletzungsgefahr bei trainierten Faszien

Die Geschmeidigkeit des Gewebes ist mit dafür verantwortlich, dass wir uns bei einem Sturz nicht verletzen. Wichtig zu wissen für Ski-Langlauf, Skifahren, Snowboarden oder anderen jetzt anstehenden Wintersportarten, ja auch für Fußball. Jürgen Klinsmann wurde damals oft sehr belächelt, dass die harten Jungs Yoga machen mussten. Er wusste allerdings sehr genau, was die Jahrtausende alter Disziplin bereithält: nicht nur Fitness und Muskeltraining, sondern die Garantie für Geschmeidigkeit durch langsame Dehnungen. Ganz zu schweigen von geistiger und seelischer Stärke. Bleibt nur, zu ermutigen, sich den Faszien zu widmen. Die Faszien halten uns nicht nur geschmeidig, sondern auch in Form, als jugendlich und straff. Es gibt keinen einzigen Grund, uns ihnen nicht zu widmen. Probieren sie es doch mal mit rollenden Bewegungen in die Geschmeidigkeit!

Was Ihre Zellen Ihnen danken werden! Laut Dr.Roert Schleip wirken folgende Stoffe unterstützend für Ihr Bindegewebe und damit die Faszien:

Vitamin C

Die Kollagensynthese hängt auch von Vitamin C ab. Kollagen ist ein Strukturprotein hauptsächlich des Bindegewebes. Die Zellen benötigen es als eine Art Klebstoff damit die Fasern zusammenhalten.

Zink

ist in den Wänden von Bindegewebszellen enthalten sowie an der Kollagensynthese beteiligt. Mangelerscheinungen sind unter anderem eine gestörte Wundheilung, schwaches Bindegewebe und Infektanfälligkeit.

Magnesium und Kalium

Beeinflussen ebenfalls den Zellstoffwechsel und das Zellwachstum, die Kollagensynthese und den Wasserhaushalt!

Curcuma und Grüner Tee-Extrakt

Entzündungshemmende Eigenschaften beim Curcumin und Grüner Tee enthält Wirkstoffe die die Anzahl frieer Radikale im Körper verringern.